An welchen Verfahren sind Gerichtsübersetzer und -dolmetscher beteiligt?

Grundsätzlich können zwei Arten von Amtshandlungen unterschieden werden: Prozesshandlungen die von Amts wegen eingeleitet werden (z. B. im Strafrecht oder im Rahmen der Prozesskostenhilfe in Zivilsachen) und Prozesshandlungen die auf Antrag einer Partei betrieben werden. Im ersten Fall (Strafsachen oder Zivilsachen mit genehmigter Prozesskostenhilfe) fällt die Angelegenheit in die Zuständigkeit des Justizministeriums oder der jeweiligen Justizverwaltung der Autonomen Regionen. Die entsprechend zuständige Verwaltung kommt dann für die Zahlung der Übersetzer und Dolmetscher auf. Bei Zivilverfahren hingegen, in denen keine Prozesskostenhilfe besteht, werden die Kosten des Übersetzers oder Dolmetschers von der Partei getragen. Fernerhin treten die Gerichtsübersetzer und -dolmetscher auch bei bestimmten Verwaltungsstreitverfahren auf z. B. bei Asylanträgen.

Welche Gesetzesvorschriften regeln den Beruf des Gerichtsübersetzers und -dolmetschers?

In Spanien existiert keine spezifische Regelung, im Sinne eines eigenen Gesetzes, welches die Tätigkeit des Gerichtsübersetzers und -dolmetschers bestimmt. Das gerichtliche Auftreten von Dolmetschern wird nur in einzelnen Artikeln der spanischen Strafprozessordnung (Ley de Enjuiciamiento Criminal) erwähnt. Gemäß Artikel 440 der spanischen Strafprozessordnung besteht das Recht auf einen Dolmetscher und Artikel 441 der spanischen Strafprozessordnung besagt:

 
„Der Dolmetscher hat unter jenen ausgewählt zu werden, die einen Titel als solcher haben, falls es einen in der Ortschaft geben sollte. In dessen Ermangelung wird ein Sprachlehrer der jeweiligen Sprache als Dolmetscher ernannt und falls solch einer auch nicht vorhanden sein sollte, jede Person die über Sprachkenntnisse verfügt.”

 
Artikel 762.8 der spanischen Strafprozessordnung hebt im Rahmen des beschleunigten Verfahrens jegliche Anforderung an den Dolmetscher auf:

 
“Sollten die Beschuldigten oder die Zeugen kein Spanisch sprechen oder verstehen, wird gemäß Artikel 398, 440 und 441 gehandelt, ohne dass der bestellte Dolmetscher einen offiziellen Titel besitzen muss”.

 
Gleichermaßen besagt Artikel 231.5 des spanischen Gerichtsverfassungsgesetzes (Ley Orgánica del Poder Judicial):

 
„In den mündlichen Verhandlungen kann der Richter oder das Gericht jegliche Person, die die entsprechende Sprache kennt, unter vorherigem Eid und Versprechen, als Dolmetscher ernennen.”

 
Zweifelsfrei ist es dringend erforderlich eine spezifische gesetzliche Regelung der gerichtlichen Mitwirkung der Dolmetscher und Übersetzer zu erwirken.

Was ist der Unterschied zwischen einem vereidigten Dolmetscher und einem Gerichtsdolmetscher?

Sehr oft verwechselt der Laie den Beruf des vereidigten Dolmetschers mit dem des Gerichtsdolmetschers.

 


Der vereidigte Dolmetscher wird vom Außenministerium oder von der jeweiligen Verwaltung der Autonomen Regionen, die die entsprechenden Kompetenzen übernommen haben (Katalonien und Galizien), als vereidigter Dolmetscher (intérprete jurado) ernannt. Diese Ernennung befähigt den Dolmetscher beglaubigte Übersetzungen und beglaubigte Dolmetschertätigkeiten durchzuführen. Die Ernennung zum öffentlich bestellten Dolmetscher kann auf zwei verschiedenen Wegen erreicht werden: entweder durch eine jährliche Prüfung, die vom Außenministerium ausgerufen und durchgeführt wird oder mittels des Abschlusses des Universitätsstudiums Übersetzen und Dolmetschen. Im letzteren Fall müssen allerdings bestimmte Fächerkombinationen in juristischer Übersetzung und Dolmetschen erfolgreich bestanden worden sein. Eine beglaubigte Übersetzung kann in zahlreichen Tätigkeiten des öffentlichen Bereichs (Urkunden des Standesamtes, Zeugnisse usw.), sowie des privaten Bereichs (notarielle Urkunden und alle Dokumente, die bei der öffentlichen Verwaltung eingereicht werden) erforderlich sein.

 


Der Gerichtsübersetzer und –dolmetscher arbeitet hingegen für die Gerichtsbehörden. Einerseits existieren in der Justizverwaltung Gerichtsübersetzer und –dolmetscher im Beamtenverhältnis, die durch eine öffentliche Zulassungsprüfung ihre Stelle erworben haben, aber auch freiberufliche Gerichtsübersetzer und –dolmetscher, die von der Justizverwaltung für einzelne und bestimmte Angelegenheiten eingestellt werden. Letztere führen für die Justizverwaltung einmalige Dolmetschertätigkeiten und/oder Übersetzungen durch. Öfters arbeiten diese Freelance-Dolmetscher mittels Beauftragung einer Vermittleragentur, die wiederum von der Justizverwaltung aufgrund einer Ausschreibung beauftragt wurde den Dolmetscherdienst zu stellen. Die Ausbildung der Freelance-Dolmetscher ist ungemein unterschiedlich und oft kann man innerhalb dieser Gruppe auch beeidigte Dolmetscher und Übersetzer vorfinden, auch wenn die geltende Gesetzgebung dies nicht als Zulassungsvoraussetzung vorsieht. In dem meisten Fällen überwiegen Übersetzer und Dolmetscher, welche einen Studienabschluss in Übersetzen und Dolmetschen, Philologie oder Rechtswissenschaften vorweisen können.